Schüler mit Guide vor Streetart in Shoreditch. Foto: privat.

Nevermind Brexit – Here’s Englandprojekt der Friesenschule 2019

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Ungeachtet der unklaren politischen Rahmenbedingungen vor Antritt der Fahrt fand vom 12. bis 18. Mai die diesjährige Projektfahrt der Europaschule Friesenschule Leer nach Hastings im Süden von England statt. Die 19 Schülerinnen und Schüler waren, ebenso wie die drei sie begleitenden Lehrkräfte, in Gastfamilien untergebracht und hatten so intensive Einblicke in Alltagsleben und -kultur. Auf dem Programm stand die Erkundung der Orte Battle und Canterbury sowie gleich zwei aufregende Tage in London.

Doch auch Hastings, unsere Heimatstadt für eine Woche, erwies sich als durchaus sehenswert. Bei einer Stadtführung wurden Schmuggelei und Fischfang als Haupteinnahmequellen des alten Hastings kennengelernt. Dass gerade der immer noch betriebene Fischfang mit allen Sinnen erfahren werden konnte, gefiel allerdings nicht allen Jugendlich. Die nahe Hastings gelegene Kleinstadt Battle ist der Ort, an dem sich die berühmte Schlacht von 1066 abgespielt haben soll. Jedenfalls ließ der siegreiche William the Conqueror an dieser Stelle ein Kloster errichten. Dessen Ruinen und das angrenzende Areal, das damals vermutlich als Schlachtfeld diente, dienten unseren Schülerinnen und Schülern wiederum als Hintergrund für außergewöhnliche Selfies für Insta, Snapchat & Co. Geschichtsvermittlung mal anders!

In London hatten die Jugendlichen dann die Möglichkeit, die bisher nur aus dem Englischbuch bekannten Sehenswürdigkeiten wie das London Eye, den Buckingham Palace oder den Tower of London aus der Nähe zu sehen. Nur der Elizabeth Tower mit Big Ben blieb unseren Blicken verborgen, da er sich hinter einem Gerüst in der Restauration befand – ein Symbolbild für die aktuelle Lage des Vereinigten Königreichs? Beim Passieren der Downing Street gerieten wir dann prompt in den Trubel einer sich auflösenden Kabinettssitzung. Während einige Schüler insbesondere an den imposanten schwarzen Limousinen großes Interesse zeigten, nutzte eine Lehrkraft die Gelegenheit zum Smalltalk mit Michael Gove, dem aktuellen Umwelt- und Ernährungsminister.

Die eigentlichen Highlights der beiden Ausflüge nach London waren dann eine Stadtführung durch Shoreditch im Londoner East End und ein Workshop in Shakespeare’s Globe. Während es in Shoreditch an nahezu jeder Hauswand, an Verkehrsschildern oder auf Zaunpfählen unzählige kleine Streetart-Kunstwerke zu entdecken gab, wurden wir im Globe unter der Anleitung eines Schauspielers zu Autoren unserer eigenen kleinen Theaterstücke. Dazu brauchte es nicht viel mehr als je einem Satzfragment aus einem Shakespeare-Stück pro Person – etwa „The Queen is dead!“ oder „Give me my sword!“, einer dazugehörigen Geste und etwas Kreativität bei der Verknüpfung der Fragmente. Insgesamt erlebten und entdeckten unsere Schülerinnen und Schüler bei diesen Programmpunkten eine ganze Menge britischer Kultur.

Den Abschluss der Fahrt bildete eine (leicht theatralisch überzogene) traditionelle Tea Time in Hastings. Dort wurde, wie auch bei unzähligen anderen Gelegenheiten in dieser Woche, die Ablehnung und das tiefe Bedauern vieler Briten angesichts des Brexit zum Ausdruck gebracht. Die Frage, ob und in welcher Form dieser Brexit realisiert wird, wird uns wohl noch einige Zeit begleiten. Außer Frage steht dafür, dass wir als Friesenschule auch im kommenden Jahr wieder mit einer Schülergruppe nach England aufbrechen werden. Und auch dann werden wir sicher mit vielen spannenden Eindrücken zurückkehren.