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Podiumsdiskussion zum Thema Sterben

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Erstellt am Donnerstag, 21. Mai 2015 11:53
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 29. Juli 2015 13:11
Geschrieben von Thomas von Garrel

Es gibt Fragen, auf die hat niemand eine Antwort. Was kommt nach dem Tod, ist eine von solchen Fragen. Tod und Sterben, das sind Themen vor denen im Allgemeinen eher zurückgeschreckt wird. Die Themen machen Angst, sie machen traurig und betroffen.

Davor schreckten die Schülerinnen und Schüler der Religions- und Werte- und Normenkurse der 10. Und 9. Klasse der Friesenschule Leer nicht zurück – im Gegenteil, intensiv beschäftigten die Jugendlichen sich im Unterricht mit dieser Thematik und wagten dann den Diskurs in einer Podiumsdiskussion.

Den vielen schwierigen Fragen stellten sich sehr authentisch und emphatisch Frau Barbara Backer (Verein Organtransplantierte Ostfriesland e.V.), Frau Rosemarie Janetzky (Ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hospizhuus Leer) und Frau Helen Reiners (Krankenhausseelsorge des Borromäus-Hospitals Leer).

Alle drei werden durch ihre Arbeit immer wieder mit dem Tod konfrontiert und gaben Einblicke in ihre Aufgabenfelder, diskutierten aber auch schwierige Fragen wie zum Beispiel die Frage nach einem „schönen Tod“, Tod von Kindern und Jugendlichen und inwiefern Sterbehilfe legalisiert werden solle oder inwiefern Suizid gerechtfertigt sei. Auch die Frage nach dem Organspendeausweis blieb nicht aus. Angesichts immer wiederkehrender Skandalmeldungen sprachen sich alle für mehr Aufklärung aus. Natürlich müsse jeder sich sein eigenes Urteil bilden, doch um Angehörigen diesen Schritt zu erleichtern, sei eine vorzeitige Auseinandersetzung wichtig. Frau Backer konnte diesbezüglich besondere Einblicke geben: Sie lebt dank eines Spenderorgans und ist sich jeden Tag dieses besonderes Geschenkes bewusst. Sie berichtete, dass Angehörige, die Organe freigaben, dies als Geschenk für ein Leben ansahen – wenn schon der eigene Sohn sterben müsse, dann solle jemand anderes leben dürfen.

Alle waren sich darüber einig, wie wichtig eine gute Aufklärung und eine Enttabuisierung seien. „Es ist wichtig, das Leben zu genießen, dennoch darf der Tod nicht ausgeklammert werden, denn dann überfällt er uns“, sagte Frau Reiners. Jeden Tag könne uns der Tod treffen, gerade angesichts dessen müsse die Chance der Thematisierung ergriffen werden, so Frau Janetzky, die noch einmal deutlich machte, wie wichtig auch das Miteinander und die Kommunikation zwischen Jung und Alt wären.

Beeindruckt zeigten die Schülerinnen und Schüler sich von dem Engagement der drei Frauen. Daher wurden auch persönliche Fragen nach dem eigenen Umgang mit dem Thema und dem schlimmsten Ereignis gestellt oder auch, inwiefern die Trennung von Beruflichem und Privatem möglich ist. „Man lernt, jeden Tag und die eigene Gesundheit zu schätzen, auch im Freundeskreis“, sagte Frau Janetzky, die wie Frau Reiners und Frau Backer große Dankbarkeit für das eigene Leben empfindet. Sehr eindrücklich sagte daher Frau Backer, die lange auf ein Spenderorgan warten und so dem Tod jahrelang ins Gesicht blicken musste: „Früher war ich vorbereitet und meine Kräfte waren sehr erschöpft, heute habe ich keine Zeit, denn ich möchte noch vielen Menschen helfen.“ Darin waren alle drei Frauen vereint: mit ihrer Arbeit wollen sie für andere da sein und helfen. Verluste gehörten zwar zum Leben dazu, wichtig wäre eine gute Aufklärung und Begleitung. Angesichts des Themas Suizid bei Jugendlichen gehöre dazu auch eine verständnisvolle Begleitung von Jugendlichen auf dem so oft holprigen Weg ins Erwachsenwerden.

Mit dem Symbol des Engels endete eine bewegende und sicherlich zum Nachdenken anregende Podiumsdiskussion. Der Engel als Symbol für Geborgen- und Angenommensein, aber auch für Begleitung, Begleitung durch Gott und/oder durch Menschen, die für andere da sind, sodass jeder seinen Weg findet und gehen kann.

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