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Friedensprojekt 2006-2010 - Tipps und Tricks

 

Sicherheit

Selbst wenn Schülerinnen und Schüler den Ernst der Lage kaum einzusehen vermögen, muss man als Lehrkraft sowohl unbedingt auf Gefahren beim Auffinden von Munition und Munitionsresten hinweisen wie auch ständig darauf achten, dass da niemand Unsinn macht. Es werden noch heute, nach über 80 Jahren, regelmäßig Überreste in den Äckern gefunden - Hülsen, Gewehre, Splitter, Blindgänger. Ich kann aus eigenem Erleben berichten, dass mein Sohn beim Friedhof Langemark, nachdem er sich aus der Lage der noch vorhandenen Bunkerreste die möglichen Angriffrichtungen rekonstruiert hatte und auf den entsprechenden Acker gegangen war, dort nach der gerade erfolgten Frühjahrsbestellung innerhalb von 15 Minuten drei furchteinflößende Kartuschhülsen beeindruckenden Kalibers gefunden hat (ich schätze Kaliber 10cm, entsprechende Länge!), denen kaum anzusehen war, ob in ihnen noch irgendwelche gefährlichen Reste enthalten waren. Ich habe selber am Wegesrand eine etwas dreckige, im übrigen aber gut erhaltene 7,5-cm-Granate stehen sehen, die ein Bauer offenbar hochgepflügt und dann zur Abholung durch den Kampfmittelräumdienst dort abgestellt hatte. Meine Kinder haben durch intensives Auf-den-Boden-Schauen in 30 Minuten diverse große Splitter einer Handgranate gefunden - und dies Zeugs kann im Zweifelsfall sicherlich immer noch gefährlich sein.

Wanderung 2003 entlang der Messines Ridge: Plötzlich fanden wir am Wegesrand diesen Stapel Granaten.

Rechts im Bild sind gerade noch die Schülerinnen und Schüler zu sehen.

Eiserne Regel kann hier nur sein: Es wird überhaupt nichts angefasst!

 

Friedhöfe und Mahnmale

Überall an der Straße stehen grüne Hinweisschilder zu den Soldatenfriedhöfen - wenn man erst einmal das Auge dafür geschärft hat, merkt man, dass sie dicht an dicht liegen.

Dieser Kartenausschnitt ist mit freundlicher Genehmigung des Volksbundes der Broschüre "Deutsche Kriegsgräber am Rande der Strassen - Frankreich, Belgien, Luxemburg und Niederlande" des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Postfach 103840, 34112 Kassel, entnommen.

Jeder farbige Punkt ist ein Soldatenfriedhof!

Zu einigen Friedhöfen ein paar Anmerkungen:

- Essex Farm Cemetery: Nördlich Ypern an der N369, wo sie sich mit der N38 kreuzt. VORSICHT: Viel befahrene Straßen, lebhafter Autoverkehr. Aber: Hier schrieb John MacCrae sein berühmtes "In Flanders Fields" Gedicht - das wird dort von einem englischen Mitglied unserer Gruppe immer vorgetragen.

- Tyne Cot: Ein Muss! Größter englischer Friedhof; das Mahnmal für die Tausenden Vermisster erdrückt geradezu. Zu finden, indem man von Ypern auf der N332 nach Osten fährt (da kommt man unter anderem auch am französischen Friedhof Potijze durch, der rechts direkt an der Straße liegt); in Zonnebeke links abbiegt nach Broodseinde/Passendale.

- Langemark: Auch ein Muss - wegen des Langemark-Mythos einerseits, des winzig erscheinenden Massengrabes andererseits, das man in Beziehung setzen kann zur Zahl der in Einzelgräbern Bestatteten. Zu finden von Ypern aus nach Osten auf die N38/N313 Richtung Poelkapelle, bei "Vancouver Corner" links ab Richtung Langemark, im Ort Langemark ein kleines Sträßchen nach Norden - bald hinter dem Ortsende liegt dann links der Friedhof. VORSICHT: Erneut eine enge Straße, auf der Autofahrer eine recht eigenwillige Vorstellung von angepasster Geschwindigkeit entwickeln.

- Last Post: Zeremonie unter dem Menentor täglich um 20 Uhr. Man muss sich nicht anmelden, sondern als Zuschauer nur pünktlich sein. Man kann aber, wenn man sich rechtzeitig anmeldet, auch aktiv an der Zeremonie teilnehmen - das haben wir inzwischen mehrfach getan.

Museen

Für das Museum In Flanders Fields in Ypern (Tel 0032-57-239 220) muss man rechtzeitig buchen - auch hier empfiehlt es sich, mindestens drei Monate im voraus zu buchen, wenn es geht, noch eher. Am besten plant man den Besuch für einen Nachmittag, denn vormittags sind oft belgische Schulklassen im Museum und es ist dann sehr voll. Dies Museum ist aber unverzichtbar. Es arbeitet mit modernsten Mitteln, Vidoeprojektionen, Multimedia, stellt viele interessante Fundstücke aus, nutzt Computer, um detailreiche Kenntnisse zu vermitteln und nimmt Einzelschicksale in den Blick. Ein absolutes - wie man heute neudeutsch so sagt - MUST!

Das Memorial Museum Passchendaele in Zonnebeke (Tel 0032 51 77 04 41) stellt sehr eindrucksvoll die Geschichte der unterirdischen Unterstände dar. Zudem zeigt es einen hervorragenden Überblick über die einzelnen Kriegsabshcnitte speziell in der Region Ypern und ist voller modern dargebotener Ausstellungsstücke.

Die kleineren Museen (Hill 62, Hooge Krater) sind unproblematischer. Achtung: Hill 62 ist nur zu erreichen von der Straße N8 aus - ich hab' nach einer kleinen lokalen Karte schon einmal versucht, es aus Süden anzufahren und habe mich dabei derart großartig verfranzt, dass ich fast schon in Frankreich war. Hill 62 halt ein angeblich über die Jahrzehnte erhaltenes Schützengrabensystem, ist aber für mein Gefühl gerade im Vergleich mit den tollen Museen In Flanders Fields und Zonnebeke völlig überteuert

Und VORSICHT: Das Museum Hooge Krater liegt an einer vielbefahrenen Schnellstraße; direkt gegenüber liegt ein großer englischer Soldatenfriedhof, der geradezu zum Besuch einlädt. Das Überqueren der Straße ist gefährlich, Schülerinnen und Schüler sollten nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht werden!


Wanderungen

1. Südlich Ypern und Hill 60

Ich finde es wichtig, auch mal kleinere Strecken zu Fuß zurückzulegen - man entwickelt ein anderes Gefühl für Entfernungen. Eine Wanderung, die sich inzwischen bewährt hat ist:
(Alle Nummern in meiner kleinen Beschreibung beziehen sich auf die Nummern in diesem Kartenausschnitt)


Kartenausschnitt mit freundlicher Genehmigung entnommen aus der Karte:
"Major & Mrs. Holt's Battle Map of The Ypres Salient"
ISBN 0-9511300-3-X
zu erwerben in der Tuchhalle in Ypern in der Tourist-Information, und zu sehen auf
 http://www.guide-books.co.uk

Ypern mit dem Bus auf der N365 nach Süden verlassen, ein paar Minuten bis Bedford Cemetery (13)  fahren, von dort aus zu Fuß über Feldwege vorbei an den Friedhöfen Spoilbank (26), Chester Farm (25), 1st DCLI (29), Hedge Row Trench (30), Woods (28) zur Straße, die von aus nach Südost führt. Auf diese biegt man rechts ab und nach wenigen hundert Metern (Vorsicht: Autos mit z.T. abenteuerlichem Verständnis von angemessener Geschwindigkeit!!) kann man nach links Richtung Hill 60 abbiegen - da wird die Straße auch wieder ungefährlicher und ruhiger. Hill 60 ist ein Mahnmal, vor allem für den Untergrund-Krieg, der hier stattgefunden hat, und es gibt ein kleines Museum. Von dort geht's mit dem Bus wieder zurück.
Die Dauer der Wanderung hängt natürlich davon ab, wie lange man auf den einzelnen Friedhöfen bleibt, aber mit intensiver Arbeit auf jedem Friedhof habe ich das bislang inklusive Museum Hill 60 an einem ausgedehnten Vormittag geschafft.

Mögliche Aufgaben, die über die Jahre immer wieder von Schülerinnen und Schülern gewählt werden, sind z.B.:

  • Wie viele Unbekannte Soldaten finden wir?
  • Wie alt waren die Soldaten, als sie fielen?
  • Wie alt ist der jüngste Soldat auf dem Friedhof?
  • Welche Dienstgrade sind am häufigsten vertreten?
  • Gibt es bei den statistischen Untersuchungen nationale Besonderheiten?
  • Gibt es einen Nationalcharakter von Friedhöfen?
  • Finden wir Nachnamen aus unserer Gruppe auf den Friedhöfen wieder?
  • Finden wir Verwandte auf den Friedhöfen?
  • Finden wir gleiche Nachnamen bei gefallenen Soldaten unterschiedlicher Nationen?
  • Finden wir jüdische Soldaten auf den Friedhöfen unterschiedlicher Nationen?
  • Bericht über besuchte Städte.
  • Bericht über besuchte Museen.
  • Bericht über besuchte Gedenkstätten.
  • Fahrttagebuch.
  • Erstellen eines Textes, der an Mahnmalen niedergelegt wird.

2. Messines Ridge "Kraterwanderung"

Ein Teil des Krieges um Ypern hat sich unterirdisch abgespielt: Man grub Stollen und Tunnel bis unter die feindlichen Stellungen. Diese Stolllen wurden dann mit Sprengstoff gefüllt und in die Luft gejagt - die dadurch entstandenen Krater sieht man noch heute. Sie sind also ein "typisches" Relikt dieser Kriegsführung.

Kartenausschnitt mit freundlicher Genehmigung entnommen aus der Karte:
"Major & Mrs. Holt's Battle Map of The Ypres Salient"
ISBN 0-9511300-3-X
zu erwerben in der Tuchhalle in Ypern in der Tourist-Information, und zu sehen auf
 http://www.guide-books.co.uk

Man fährt mit dem Bus auf der N365 aus Ypern nach Süden bis Wijtschate. Dort rechts ab ein Stück bis zur Wegkreuzung. Der Bus fährt dann weiter bis zur Kreuzung in Wulvergem. Zu Fuß läuft man dann ab: Friedhof Wijtschate (10), Mahnmal (11), Krater (4), entweder links ab oder geradeaus, auf jeden Fall dann noch Pool of Peace (Lone Tree Crater) (1) , Lone Tree Friedhof (2), Krater (34)(33), RE Farm Friedhof (35). Auch dies lässt sich an einem ausgedehnten Vormittag erledigen.

Unterkünfte

Die Unterkunft muss man möglichst ein ganzes Jahr im voraus buchen, sonst wird's schwierig. Tourist-Information Ypern (Tel 0032-57-239 220) ist behilflich, kann aber auch nicht zaubern. Die nächstgelegene Jugendherberge, die ich in Belgien gefunden habe, ist in Tournai - da würde es sich aber alternativ eher empfehlen, den Schwerpunkt der Fahrt vielleicht etwas an die Somme zu verlegen; Thiepval, Albert, Peronne (mit tollem Museum) bieten sich da an. Da läge evtl. eine Jugendherberge in Lille nahe. An internationale Jugendherbergen kommt man am einfachsten über die Homepage des Deutschen Jugenherbergsverbandes.

Die von mir bislang benutzten Unterkünfte, in denen wir jeweils für ca. € 27,-- Vollpension pro Tag gewohnt haben:

1) De Iep, Poperingseweg 34, B-8900 Ieper, Tel +32-57-208811   Fax gleiche Nummer;
man spricht deutsch und englisch
2) Parsifal/Montsalvaet, Schomminkelstraat 22, B-8950 Westouter-Heuvelland,
Tel. +32-51-265600, Fax +32-51-265611;
man spricht flämisch. 2000 und 2001  konnte ich mit Ward Poppe auf deutsch verhandeln.
3) De Warande, Heirweg 132, B-8500 Kortrijk, Tel +32-56-35 48 76, Fax +32-56-35 17 66, man spricht deutsch; auf dem Gelände tolle Sportmöglichkeiten (Schwimmen, Fußball, Skateboard etc.)

sind  zum Teil eher schlicht, aber nicht schlecht. "De Iep" ist attraktiv, weil es in Ypern selber liegt, zu Fuß ist man in 20 Minuten am Großen Markt. "De Iep" besteht aus einem modernen Neubau mit Vierbettzimmern, der aber leider immer sehr früh ausgebucht ist, und einem Altbau, der eigentlich für Selbstversorger gedacht ist.  Die Zimmer sind sehr schlicht (Matratzenlager), sanitäre Einrichtungen tadellos, man kann alle Mahlzeiten im Neubau bekommen, das scheint eine Sache von Verhandlungen zu sein. Die Leitung ist sehr freundlich, hilfsbereit und kooperativ.

"Parsifal" hat den kleinen Nachteil, dass man immer den Bus braucht, liegt dafür aber abgeschieden in einem kleinen niedlichen Dörfchen mitten in sehr ländlicher Umgebung (d.h. es entfallen abendliche Debatten: "Dürfen wir nochmal in die Stadt"). Die Schlafräume sind ebenfalls sehr schlicht (z.T. Schlafsäle), aber die Leitung ist freundlich und kooperativ; Sanitäranlagen tadellos; Essen wird "auf Rädern" gebracht - irgendwo im Dorf gekocht und angeliefert, hat ordentliches Jugendherbergsniveau. Wir mussten mal einem Teil der Dorfjugend klarmachen, dass wir eine geschlossene Gesellschaft waren - und insbesondere unsere Mädchen nicht gekommen waren, um bestaunt oder "angebaggert" zu werden - aber auch das verlief in völlig harmonischen Bahnen - die Autorität des Lehrers schien reibungslos zu funktionieren und akzeptiert zu werden. Toll ist, dass man zum Beispiel abends mal zu Fuß nach Frankreich laufen kann. In 30 Minuten ist man dort, alle machen begeistert ein Foto am Schild "France" und es geht zurück. Grenzkontrollen gibt's nicht.

"De Warande" war mit Abstand und völlig konkurrenzlos die preiswerteste Unterkunft; Essen gut und reichlich, Sanitäranlagen tadellos, Zimmer in Ordnung. Leitung freundlich und kooperativ, Sportmöglichkeiten ums Haus herum unerreicht gut. Einziges Problem ab Juli 2003: In England gelten neue Sicherheitsbestimmungen für Klassenfahrten: Keine Unterbringung im Erdgeschoss, die Unterkunft muss vor der Fahrt von einer Lehrkraft begutachtet werden, die dafür speziell ausgebildet ist. Problem von "De Warande": Die Unterbringung ist ausschließlich im Erdgeschoss möglich. Ob das angesichts der starren englischen Regeln akzeptabel gemacht werden kann, ist fraglich. (Hintergrund der irrsinnigen Bestimmungen ist angeblich, dass auf einer Fahrt nach Frankreich im Jahr 2002 eine Klasse im Erdgeschoss untergrebracht war, nachts jemand durch ein Fenster eingestiegen ist und ein Mädchen vergewaltigt und ermordet hat.)

Vorbereitende Literatur

Insbesondere das Museum „In Flanders Fields“ hält in seinem Museumsshop natürlich jede Menge informationsreicher Literatur über den Ersten Weltkrieg und insbesondere über den Ersten Weltkrieg in der Region Ypern vor. Man ist auf jeden Fall gut beraten, nicht unvorbereitet loszufahren.

Wer sich vorbereiten will, kommt schon mit zwei ungeheuer informationsreichen Büchern aus:

1. Rose E.B. Combs, Before Endeavours Fade.

ISBN-10: 1870067622

ISBN-13: 978-1870067621

Preis ca. € 25,-- (Stand Juli 2013)

Das Buch enthält reichhaltige Detailinformationen über die gesamte Westfront. Eine Schatztruhe! Die Informationen sind allerdings sehr knapp und gedrängt, umfassen ja auch einen sehr großen geografischen Raum.

2. Major and Mrs. Holt’s Battlefield Guide to Ypres Salient.

ISBN-10: 0850525519

ISBN-13: 978-0850525519

Preis ca. € 20,-- (Stand Juli 2013)

Eine zweite Schatztruhe! In diesem Buch liegt auch eine Karte der Region Ypern, auf der alle Friedhöfe, Mahnmale und Sehenswürdigkeiten markiert und beschrieben sind. Der Text zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten ist viel ausführlicher als im ersten Buch, viele Fotos geben schon einen guten Eindruck von dem, was Sie erwartet.

 

3. Wer sich mit Karten über die Anzahl und Lage deutscher Soldatenfriedhöfe informieren möchte, ist sehr gut aufgehoben bei:

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, "Deutsche Kriegsgräber am Rande der Straßen - Frankreich, Belgien, Luxemburg und Niederlande" erhältlich beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Postfach 103840, 34112 Kassel.

 

Wo gibt’s diese Bücher, wenn man in Deutschland lebt?

1. Versuchen Sie’s bei Ihrem lokalen Buchhandel.

2. Wenn der das nicht besorgen kann: Amazon Deutschland liefert das Buch von Combs, amazon.co.uk kann auch das Buch von Major and Mrs Holt liefern.

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