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„Du wirst überleben und erzählen, was mit uns geschehen ist"


Sie ist Überlebende des Holocaust und besucht seit 1996 Schulen und Bildungsstätten um jungen Deutschen ihre Geschichte zu berichten. Für ihr Engagement gegen das Vergessen verlieh ihr die Gemeinde Lathen im Jahre 2004 die Ehrenbürgerschaft und zwei Jahre später erhielt die mittlerweile 87-jährige die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland. Heute erfüllt Erna de Vries den Auftrag ihrer Mutter: „Du wirst überleben, und dann wirst du erzählen, was man mit uns gemacht hat.“ Dieser Satz ihrer Mutter im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau  hat  Erna de Vries ihr Leben lang begleitet und war  zugleich Aufforderung für sie, von den Verbrechen der Nationalsozialisten zu berichteten. Hierbei stellt sie klar, dass die Motive ihres Handelns nicht „Rache, Vergeltung und Abrechnung mit der Vergangenheit" seien, sondern stets nur die „Mahnung und besonders die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft". Bezüglich ihres Lebens erfuhren die Schüler der Friesenschule, dass die  1923 in Kaiserlautern geborene Jüdin  bis 1937 die Franziskanerschule besuchte und danach aufgrund der NS-Repressalien eine jüdische Sonderklasse in Kaiserslautern besuchen musste. Ihr zufolge sei nach der Progromnacht 1938 jüdischen Kindern ein normaler  Schulbesuch überhaupt nicht mehr möglich gewesen und aus diesem Grund übernahm sie dann eine Tätigkeit in der Krankenpflege.  Wie viele der damals in Deutschland lebenden Juden wurde auch sie im Juli 1943 gemeinsam mit ihrer Mutter in das Konzentrationslager Auschwitz transportiert. Obwohl die Gestapo gar keine Deportationspapiere für die damals 19-jährige Erna de Vries hatte, bestand sie darauf und bettelte darum, ihre Mutter in das ihnen vom Radio bekannte Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau begleiten zu dürfen. Wenn nicht schon zuvor zeigten viele Schüler an dieser Stelle Betroffenheit und einzelne mussten mit ihren Tränen kämpfen. Die Emotionen wurden deutlicher, als die Schüler erfuhren, dass Frau de Vries zusammen mit etwa 600 bis 700 weiteren „arbeitsunfähigen“ Frauen selektiert und  im Todesblock 25 untergebracht wurde. Sekunden bevor die Frauengruppe auf die bereits vorbeifahrenden Lastwagen zur Vergasung getrieben wurde, rief ein SS-Mann die auf Erna de Vries´ tätowierte Nummer auf und verschonte sie vor dem unmittelbaren Tod. Auf diesem Weg gelangte die heutige Lathenerin nach Ravensbrück, wo sie in das angeschlossene Siemenslager verlegt wurde und  Arbeitsdienst für die Rüstungsindustrie leisten musste. Da später  die alliierten Truppen immer weiter vorrückten, wurde das Konzentrationslager Ravensbrück im April 1945 geräumt  und alle Lagerinsassen  Richtung Nordwesten in Marsch gesetzt. Mehrere Tage wurden sie und ihre Mitgefangenen auf diesem „Todesmarsch“ durch das heutige Mecklenburg-Vorpommern getrieben bis sie schließlich von den amerikanischen Truppen befreit wurden.  Erna de Vries hat ihre Mutter nie wieder gesehen. Ihr blieb nur der Satz: „Du wirst überleben und erzählen, was mit uns geschehen ist."

Genau dies tat sie am vergangenen Dienstag bereits zum dritten  Mal an der Friesenschule. Wie jedes Jahr ist ein Thema des Geschichtsunterrichts im 9. Jahrgang die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Um den Schülern Geschichte begreiflich zu machen und mit „Leben“ zu füllen, organisierten die GSW-Lehrer die Zeitzeuginnenbefragung (fachdidaktischer Terminus: Oral History) mit der Jüdin Erna de Vries aus Lathen.  Im Anschluss besuchten die Schüler die KZ-Gedenkstätte Neuengamme bei Hamburg, die am historischen Ort an die über 100 000 Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges Häftlinge des größten Konzentrationslagers in Nordwestdeutschland waren, erinnert. (Text: Herr Erdin)

Ausführliche Informationen über das Leben von Frau de Vries finden sich u.a. auf den Seiten des Projekts Zeitlupe.

Hier bereits erste Bilder (klick mich!) vom Besuch.

Die Ostfriesen-Zeitung berichtete am 29.003.2011:

 

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